Die KRG on Tour: Vereinswanderfahrt Werder 2.0

Ende August wurde es den Ruderinnen und Ruderern der KRG mal wieder zu eng in Kettwig und zu ruhig auf der Ruhr. Knapp 50 von ihnen machten sich daher am Freitag (28.08.26) auf den Weg nach Werder an der Havel. Dort war man zuletzt 2019 gewesen und hatte die Gegend in bester Erinnerung behalten.

Pünktlich um 06:00 Uhr morgens saßen wir im Bus – das Ziel war schließlich Werder, nicht Werden – und ließen uns von Alex müde, aber gut gelaunt gen Osten chauffieren. An der Raststätte Helmstedt/Marienborn machten wir eine längere Pause, die wir nutzten, um uns zur deutsch-deutschen Geschichte zu informieren. Eine Ausstellung am ehemaligen innerdeutschen Grenzübergang macht eine Rast dort umso empfehlenswerter. Weiter ging‘s danach in Richtung Werder in Brandenburg, wo wir mittags ankamen. Während einige bereits ihre Zimmer beziehen konnten, nutzten andere die Zeit für einen ersten Spaziergang durch unsere Interims-Homebase. Eines wurde schnell klar: Wirklich schön ist es hier. Wer Werder bislang noch nicht besucht hat, sollte das dringend nachholen.

Gegen 15 Uhr trafen wir uns dann am Ruder-Klub Werder zum Aufriggern, Auslosen der Boote und natürlich Kaffee und Kuchen. Es verfestigt sich der Eindruck: Die Kettwiger können mit Koffein und Zucker im Körper einfach besser rudern. Bei der anschließenden Fahrt um die Insel Werder fühlten sich einige an die Überfahrt der Loosdrechtschen Plassen im Mai ‘25 erinnert. Zuvor hatten wir vom Ufer aus schon ein Ruderboot beobachtet, das dank steifer Brise trotz heftigster Bemühungen kaum vom Fleck kam. Da haben wir noch gestaunt. Wenig später waren wir selbst mittendrin. Auch für erfahrene KRG-Ruderinnen und Ruderer stellte der Wind an diesem Nachmittag eine kleine Herausforderung dar. Und es sollte nicht das letzte Mal an diesem Wochenende bleiben.

Danach ging’s ins Hotel, damit wir beim späteren Grillen im Klub frisch geduscht und gekämmt aufwarten konnten. Soll keiner sagen, die Kettwiger wüssten nicht, was sich gehört. Um 19 Uhr startete dann das Abendprogramm. Dieses Jahr gab es keine Selbstverpflegung – wir wurden stattdessen von einem Caterer mit Grillgut und Salaten verwöhnt. Bei der anschließenden Willkommensansprache stellte Boris unsere Gastgeberinnen für dieses Wochenende vor – Kerstin und Sibylle vom Werder Ruder-Klub – und widmete den beiden eine wirklich schöne Laudatio. Später wurden die Boote für den nächsten Tag ausgelost und das ein oder andere Bier getrunken. Zufrieden machten wir uns schließlich wieder auf den Weg ins Hotel, um am nächsten Tag nicht vollends in den Skulls bzw. Seilen zu hängen.

Der Samstag startete mit Frühstück im Hotel und Brötchen schmieren am Klub. Die geplante Potsdam-Umfahrt ging windig, aber pünktlich los, und führte uns über bildhübsche Seen und Kanäle zu unserer Anlegestelle für die Mittagspause. Dort wartete schon Sybille mit Brötchen, Obst und Spreewaldgurken auf uns (die Guten vom Markt!). Für einige bot die Mittagspause auch die Gelegenheit für einen willkommenen Bootswechsel. Die Aake hatte an diesem Tag einen kleinen Hänger und sah sich nicht in der Lage, die ihr anvertrauten Ruderer wirklich entspannt ans Ziel zu bringen. Was zu dieser Unpässlichkeit geführt hat, bleibt ihr Geheimnis, aber Fakt ist: gute 500kg* Kampfgewicht (*anonyme Quelle + Extrapolation) wurden in der Mittagspause umverteilt und fuhren schließlich erfolgreich mit den anderen weiter Richtung Potsdam.

Mit viel Wind und Verkehr steuer- wie backbords wurde die Weiterfahrt zunehmend anspruchsvoll. Angeschickerte Bierflöße, Poser-Jetskis und Fahrgastschiffe in der Größenordnung der Titanic sorgten dafür, dass wir das Thema „Havel-Rudern“ wohl endgültig durchgespielt haben. Belohnt wurden wir dafür mit eindrucksvollen Ausblicken auf die Glienicker Brücke, Schloss Babelsberg und die Potsdamer Uferlandschaft. Unser Ziel – die Potsdamer Ruder-Gesellschaft – erreichten wir erschöpft, aber voller Eindrücke, die noch eine Weile nachhallen werden.

Dort angekommen, mussten wir zum Glück nicht abriggern, sondern die Boote nur sicher ablegen, denn es sollte später mit dem Bus zurück nach Werder gehen. Zunächst gab es aber noch ein Gruppenfoto mit Drohne. Soll noch einer sagen, die KRG kann keine Technik! Also zumindest grundsätzlich. Jedenfalls entstand am Ende ein schönes Gruppenfoto mit einem Handy. Danach gab es noch eine Lektion in Sachen deutsch-deutscher Geschichte von Boris. Er wusste einiges zu berichten über das Rudern in der DDR, die Vergangenheit der Potsdamer Ruder-Gesellschaft und die unterschiedlichen Ansätze des Leistungssports in DDR und Bundesrepublik – Sportschule vs. Verein. Vollgepumpt mit Wissen und stolz auf die eigene Leistung an diesem Tag kamen wir wieder in Werder an, gönnten uns noch ein Bier am Verein und machten uns dann auf den Weg zum Hotel – den Abend wollten wir nicht in Ruderklamotten begehen. Gegen 19 Uhr ging es dann los mit Grillen (ja ok, die Steaks waren zu der Zeit dank der beiden vom Catering bereits durch), dem Verleihen der Fahrtenabzeichen und dem Auslosen der Bootsbesatzung für den nächsten Tag – an einem solchen Abend jagt für die KRGler ein Highlight das nächste. Wie lange das Ganze dann ging, entzieht sich der Kenntnis der Autorin, aber ganz fit war beim Frühstück wohl noch keine(r). Egal, am nächsten Tag, dem Sonn- und Abfahrtstag, sollte sie dann einen würdigen Abschluss finden, unsere Wanderfahrt in Brandenburg.

Hinweis: Die folgende Passage enthält die Schilderung einer unfreiwilligen Badeeinlage auf dem Schwielowsee. Eine vollständig objektive Darstellung der Ereignisse konnte trotz intensiver Bemühungen der Autorin nicht sichergestellt werden.

Wo fange ich an? Wir sind an dem Tag also los – wie oben bereits angekündigt, von Potsdam aus; die Boote waren ja bei der PRG. Es war windig, das hatten wir schon gemerkt, aber es war händelbar. Und die Strecke war nicht lang. Es sollten knappe 9km über Templiner See und Schwielowsee werden, eigentlich machbar. Naja, auf jeden Fall war in dem Kanal, der Templiner- und Schwielowsee verbindet, plötzlich die Atemlos an der Spitze unserer Abordnung. Aber die Besatzung fühlte sich gut und gewappnet – das Boot war seetüchtig und bisher trotz Wind und Wellen gut vorangekommen. Kurz bevor es dann auf den Schwielowsee ging, ging ein Raunen durch das Boot, da wäre ganz schön Schaum auf dem See. Aber sie wagten es raus auf’s offene Wasser. Und hatten trotz widriger Bedingungen noch Kapazitäten auch an anderes zu denken, als das eigene Durchkommen – die Gedanken der Besatzung galten nicht dem eigenen Überleben, sondern dem des Schwester-Boots Aake, die sich am Vortag schon in einem Tief befindlich gezeigt hatte.

Die Sorgen um die Aake hielten allerdings nicht lange an. Schon bald war die Atemlos selbst gefordert. Wind und Wellen nahmen zu, die Skulls waren kaum noch zu halten, und das Boot lief zunehmend voll Wasser. Irgendwann wurde klar: Aus eigener Kraft würden wir hier nicht mehr weiterkommen. Aber Glück im Unglück: Es hatte sich mittlerweile ein Motorboot genähert. Schlag- und Obmann der Atemlos hatten bereits Kontakt aufgenommen, sodass dem Kapitän des Boots schon klar war, was da los war.

Die Mannschaft war gerade in Verhandlungen über die freundliche Übernahme (aka Abschleppen), als weitere Wellen das Boot trafen. Es gab einen kurzen Austausch darüber, dass man am Boot bliebe, wenn man wirklich kentere. Und dann gab es einen surrealen Moment Titanic-Stille – und das Boot kippte wirklich. Die Mannschaft hatte gerade noch Zeit die Füße zu befreien und befand sich auch schon im Wasser des Schwielowsees (laut Augenzeugen durchaus trinkbar). Weitere Wellen trafen das Boot, aber der Obmann der Atemlos schaffte es zusammen mit dem Kapitän des MS die Atemlos per Seil an das andere Boot zu befestigen. Die schiffbrüchige Mannschaft hielt sich wacker an Boot und Auslegern fest und schaffte es zusammen mit dem Motorboot in ruhigere Gewässer.

Dort angekommen, kappten sie die Seile und drehten die Atemlos noch innerhalb des Wassers, indem sie sich auf die sich unter Wasser befindlichen Ausleger stellten und das Boot dadurch umwuchteten. Wieder im Boot, legte man sich in die Skulls, um zu den anderen Booten der KRG aufzuschließen, die unbeirrt ausgeharrt hatten, bis alle wieder vereint waren. Und man kann sagen, selbst zu dritt zeigte sich die Stärke der Atemlos, denn trotz Verlust einer Dolle und damit Ruderers war das Boot schnell und wir alle noch halbwegs pünktlich wieder zurück in Werder.

Nach dieser unfreiwilligen Begegnung mit den Untiefen des Rudersports machten sich die Kettwiger Ruderinnen und Ruderer daran, in Werder alles für die Heimreise vorzubereiten. Es wurde geriggert und geschrubbt, was das Zeug hält; Sybille hatte noch Snacks und Selters bereitgestellt, und bevor sich der Bus wieder Richtung Kettwig auf den Weg machte, fasste Boris das Wochenende sinngemäß zusammen: Vielleicht waren wir nur halb so viele wie im vergangenen Jahr. Spaß hatten wir deshalb aber keineswegs nur halb so viel. Dem stimmen wir zu: Dit war knorke. Und vielleicht der Tradition folgend in 7 Jahren wieder?!